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Hüttengeschichte

 

 

 

 

 

 

 

 

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Foto: Stefan Mertens

 

 

 

“Warum baut er sein Schutzhaus nicht gleich auf den Gipfel des Becherfelsen ?!”

Diese Frage aus den Alpenvereinsmitteilungen des Jahres 1891 war an den Vorsitzenden der böhmischen DÖAV-Sektion Teplitz, Prof. Carl  Müller gerichtet. Auf eigene Kosten hatte der gerade am Pfaffennieder, der Einsattelung in den langen Graten zwischen Wildem Pfaff und Wildem Freiger, eine mit 2,5 x 4 m Grundfläche winzig kleine Schutzhütte bauen  lassen. Heute wäre die Bezeichnung “Biwakschachtel” freilich passender. Drei Hütten bildeten jetzt Stützpunkte für die alpinistischen Unternehmungen im Gebiet der Üblen Ferner. Schon 1887 hatte die Sektion Teplitz an  der Stelle der heutigen Grohmannhütte ihre erste Teplitzer Hütte fertiggestellt. Sie war jedoch unter keinem guten Stern gestanden. Bereits im ersten Winter ließ eine Lawine nurmehr Reste der Grundmauern übrig. Dank des Engagements - und des Geldbeutels - des 2. Vorstandes der Sektion, Theodor von Grohmann, wurde sie noch im gleichen Jahr wieder errichtet. Heute lädt Hans Gasteiger, Bergführer aus dem Ridnauntal, in und vor allem vor der kleinen Grohmannhütte zur Rast ein. Der übrige Vorstand der böhmischen Sektion indes hatte im Sommer 1888 bereits wieder neue Pläne. Weiter oben, auf fast 2600m Höhe sollte die Neue Teplitzer Hütte entstehen, die im August 1889 ihrer touristischen Bestimmung übergeben wurde. Dann, im Sommer 1891 waren es mit der “Biwakschachtel” am Pfaffennieder schon drei Schutzhütten. Bot letztere zwar nun einen Stützpunkt in unmittelbarer Nähe zu einer Reihe der höchsten Gipfel der Stubaier Alpen, so mischten sich allerdings die Stimmen der Bewunderung für einen so weit in Gipfelnähe vordringenden Hüttenbau mit Stimmen der Kritik über den mangelnden Komfort und vor allem den geringen Platz.

 

“Ein Schutzhaus auf dem Gipfel des Becherfelsens ? - Ihr scherzt, mein Herr !”

Im Sommer 1892 stand der Vorsitzende der DÖAV-Sektion Hannover, Prof. Carl Arnold, erstmalig  persönlich auf dem Bechergipfel. Er war fortan kaum mehr zu bremsen, von der Idee  eines dortigen großen Schutzhauses nahezu besessen. Noch im gleichen Jahr wurde der Vorschlag der Generalversammlung des DÖAV unterbreitet und fand gar sofort die Zustimmung der Deligierten, doch keine der 118 Sektionen  traute sich - trotz zu erwartender finanzieller Unterstützung des Hauptvereins - dieses kühne Projekt zu. Zu überwältigend erschienen die Schwierigkeiten dieses Plans. Im Januar 1893 schließlich beschloß die Sektion  Hannover, zweifellos unter wortgewaltiger Überzeugungskraft ihres 1.  Vorsitzenden, den Bau selbst in Angriff zu nehmen.

Man schrieb an den Kaiser. Ein solch ergreifendes Unterfangen sollte natürlich  einen großen Namen tragen. Zudem wollte man sich  für die den preußischen und böhmischen Sektionen großzügig gewährte Gastfreundschaft auf dem Territorium der k.u.k. Monarchie bedanken. Das Haus  solllte den Namen  der Kaiserin tragen : Kaiserin - Elisabeth - Schutzhaus. Die gewährende Antwort kam postwendend. - Viele Freunde des Becherhauses nennen es auch  heute  wieder gern bei seinem ersten Namen. 

Für die Hannoveraner gab es fortan einen Haufen Arbeit. Man konnte einen Mann für die Koordination der Bau- und Transporttätigkeiten gewinnen,  ohne dessen Engagement und Tatkraft die baulichen Schwierigkeiten wohl nicht zu überwinden gewesen wären. Stefan Haller, der Wirt des “Steinbock”, des bis dahin einzigen Gasthauses in Ridnaun, lieferte die Ideen,  organisierte den Materialtransport, besorgte und versorgte die Arbeitskräfte und half motivierend über so manchen moralischen Tiefpunkt hinweg. Bei all diesen Aufgaben  gelang es ihm auch noch, sozusagen nebenbei, ein  großes Unterkunftsgebäude in Ridnaun zu errichten, den heutigen Sonklarhof, der zusammen mit dem Becherhaus eröffnet werden sollte. Neben ihm  gewann man den Erbauer der Magdeburger und der Tribulaunhütte aus dem  benachbarten Pflersch, Zimmermeister Johann Kelderer. Seine Hüttenkonstruktion sollte bereits im Tal fertiggestellt, anschließend  wieder - genauestens gekennzeichnet - zerlegt und dann auf den Gipfel geschafft werden.

Im März 1894 begann die eigentliche Bauphase. Für den Transport der insgesamt 25 Tonnen Baumaterial  verwendete man bis hinauf zum Aglsboden große Pferdeschlitten, die auf dem gefrorenen Firn gut  vorankamen. Vom Erztransport im benachbarten Lazzacher Tal hatte man sich im Anschluß die Bremsbahnen abgeschaut, ein Prinzip, bei dem ein genau dosiertes Gegengewicht (Wasser, Steine) über eine Umlenkung dazu benutzt  wird, ein Transportgut hochzuziehen oder abzulassen. Was sich im Erztransport bewährt hatte, konnte für den Hüttenbau nur von Vorteil sein. Stück für Stück baute man die Bremsbahnen nach oben weiter. Schließlich konnten  für die lange Traverse unter den Bechergipfel wieder Schlitten  eingesetzt werden. Das letzte Stück aber, den Becherfelsen selbst, mußte schließlich Muskelkraft her. Träger brachten die 25 Tonnen Bretter, Balken (z.T.  bis zu 12m lang und 80 kg schwer), Bausand, Matratzen, und, und, und, an den Bauplatz. Nach anfänglichem Zögern nahmen immer mehr Einheimische die Gelegenheit wahr, sich als Träger im Hüttenbau ein Zubrot zu verdienen.  Die Sorge vor Unfällen und eisiger Kälte war unbegründet, das Märzwetter sogar unerwartet freundlich gewesen. Schließlich war das Gros des Materials oben. Der Bau konnte beginnen.

Da verschlechterte  sich das Wetter. Über eine Woche quälten tiefer Frost, Sturm und Schnee die Männer. Nach wenigen Stunden mußten sie am Ende ihrer Kräfte wieder zu den Räumlichkeiten der 600m tiefer gelegenen Teplitzer Hütte absteigen, um am nächsten Tag wieder aufzusteigen. Als endlich der erste Boden eingesetzt war, konnte man sich zumindest ein wenig vor den Unbilden des Wetters schützen.Unter Decken, eng aneinandergeschmiegt, verbrachten die Männer die Nacht. Immer noch besser als der tägliche Auf- und Abstieg von und nach Teplitz. Kaum vorstellbar, welche Leistung den Männern abverlangt wurde. Noch im Juni hatte der Becher mehr Schnee als zu Baubeginn im März. Der voreilig angesetzt Eröffnungstermin schien ins Wasser zu fallen. Aber letzte Reserven machten das Unmögliche wahr : Am Abend des 16. August begannen die Öffnungsfeierlichkeiten mit viel Wein und Champagner, und pünktlich zur mitternächtlichen Stunde konnte man zudem noch auf den Geburtstag  des Kaisers anstoßen. Welch eine Meldung : Das Kaiserin-Elisabeth-Haus auf dem Gipfel des Becherfelsen, in 3195 m Höhe,  wurde am Geburtstage Seiner Majestät, des Kaisers feierlich eröffnet.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Die Hüttenbibliothek ist eine stetige Fundgrube ...

 

 

 

 

 

 

 

Die drei Gemälde stammen von dem Bergsteiger und Maler Ernst Platz (geb. 13.09.1867 Karlsruhe, gest. 17.01.1940).
Das obere Bild ist die Abfotografie einer Postkarte, die bei uns im Becherhaus zu sehen ist; das mittlere Bild wurde uns vom Alpenverein-Museum Innsbruck zur Verfügung gestellt, das untere haben wir vom Autor der Internetseite über Ernst Platz erhalten.
Wer Näheres über den Maler erfahren möchte, darf gern diese Website besuchen: www.ernst-platz.de

Die Postkarte unterhalb des Maria-Theresien-Schildes aus unserem Eingangsbereich stammt aus einer uns nicht bekannten Quelle, hängt aber ebenfalls im Gastraum und wurde - wie man aus der Karte erkennen kann - zwei Jahre nach Eröffnung des Becherhauses, am 26. Juli 1896 verschickt.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

WegekarteBecherhaus1913_300

 

 

 

Das Bild zeigt einen gerade heute hochinteressanten Wegeplan
der Südtiroler Bergwelt rund um das Becherhaus dem Jahr 1913.

Zur besseren Lesbarkeit kann die Grafik hier...
im Format DIN A4 heruntergeladen werden.

Sie stammt von der d.u.ö.AV-Sektion Stettin
und wurde uns vom Alpinhistorischen Museum in Innsbruck zur Verfügung gestellt.

 

 

 

 

 

 

 

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Empfehlenswerte Lektüre :

CAI Sezione di Verona (Hrsg.) : Ein Gipfel, ein Schutzhaus, eine Geschichte (1894 - 1994) Die 100 Jahre  des  Becherhauses,  Verona 1994